Komplementärmedizin bei Krebserkrankungen

Krebserkrankungen erfordern diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die auf Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit geprüft sind. Grundlage der Bewertung sind kontrollierte klinische Studien.  Das therapeutische Spektrum von Standardbehandlungen (z.B. Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, Antihormontherapie, Immuntherapie sowie individualisierter Therapiekonzepte) und komplementärmedizinischer Maßnahmen (z.B. körperliche Aktivität, Ernährungsoptimierung, psychoonkologische/psychosoziale Betreuung sowie wirksamkeitsgeprüfte medikamentöse Behandlungsmethoden) ist für die Mehrzahl aller Krebserkrankungen kurativ, also auf "Heilung" ausgerichtet.

Die Amerikanische Krebsgesellschaft und die Krebsgesellschaft NRW definieren Komplementärmedizin als Maßnahmen, die begleitend mit einer medizinischen Standardbehandlung durchgeführt werden. Wenn komplementäre Behandlungsmaßnahmen zielgerichtet angewendet werden, können sie zur Reduktion von Nebenwirkungen der Standardtherapien sowie zur Verbesserung von Lebensqualität beitragen.

Definitionsgemäß sind komplementärmedizinische Maßnahmen Ergänzungen oder Optimierungen der Standardtherapien. Sie sind mit Nachdruck zu unterscheiden von "alternativen Therapien" , die erprobte Standardtherapien ersetzen sollen. In den vergangenen Jahren wurden vereinzelte komplementärmedizinische Maßnahmen in kontrollierten klinischen Studien erforscht, um sie bei Wirksamkeit in die Standardtherapie Konzepte zu integrieren. Derartige Forschungsaktivitäten erscheinen auch deshalb notwendig, weil viele Krebspatienten nicht indizierte bzw. gesundheitsgefährdende komplementäre Maßnahmen anwenden, oft ohne das Wissen der behandelnden Ärzte.

Ernährungtherapie

Alle verfügbaren Untersuchungen deuten darauf hin, dass nicht ausgewogene sowie übermäßige Ernährung (zu wenig Obst, Gemüse, Getreideprodukte, Ballaststoffe; zu viel tierisches Fett, Fleisch, Alkohol) Ursachen für die Entstehung von Krebserkrankungen sein können. Änderungen der Ernährung bzw. ernährungsbedingter Gewohnheiten könnten die Krebshäufigkeit um ca. 30 - 40% senken. Somit scheint die allgemeine Ernährungsberatung/-Optimierung , z.B. nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zur Prävention sinnvoll zu sein.

Die ernährungsmedizinische Betreuung von Krebspatienten ist ein zentraler Bestandteil im ganzheitlichen Therapiekonzept, da eine angemessene Ernährung im Verlauf einer Krebserkrankung eine wesentliche Voraussetzung zur Aufrechterhaltung des  Allgemeinzustandes  und der Lebensqualität ist. Darüber hinaus hat der Ernährungszustand von Patienten wesentlichen Einfluss auf eine Vielzahl klinischer Merkmale, u.a. Krankheitsgefühl, Therapieverträglichkeit, Nebenwirkungsrate sowie Abwehrbereitschaft. Auch wenn eine ernährungsmedizinische Betreuung bei Krebspatienten alleine keine Heilung bzw. Beeinflussung von Tumorwachstum bewirken kann, können bei rechtzeitigem Einsatz und konsequenter Umsetzung eine Verschlechterung des Ernährungszustandes und die sich daraus ergebenden klinischen Folgen wesentlich beeinflusst werden. Auch könnte die individuelle Ausgangssituation (u.a. Therapieverlässlichkeit; Einhaltung optimaler Zeit-/Dosierungsschemata der angezeigten Standardtherapien) verbessert und Therapienebenwirkungen reduziert werden.

Bewegungstherapie


Bewegungsmangel ist neben Fehlernährung ein gesundheitspolitisch und ökonomisch ernstzunehmendes Problem unserer Gesellschaft und mit verantwortlich für diverse Zivilisationskrankheiten, u.a. Krebs. Dem Sport d.h. der individuellen Situation angepasste körperliche Aktivität, kommen als wichtigste Aufgaben zu: 
Vorbeugung: Reduktion des Krebsrisikos durch regelmäßige körperliche Aktivität.
Therapiebegleitung : Reduktion von Nebenwirkungen der Standardtherapien.
Rehabilitation: Wiederherstellen von Körperfunktionen, Beweglichkeit. Die derzeitige Studienlage bezüglich Vorbeugung und Rehabilitation von Krebs durch körperliche Aktivität belegt den Wert von mäßigem aber regelmäßigem Ausdauer- und Krafttraining.

Erste wissenschaftlich fundierte kontrollierte klinische Studien zur Wertigkeit von körperlicher Aktivierung bei Krebspatienten unter laufender Chemo-/Strahlentherapie waren vielversprechend (Reduktion des Müdigkeitssyndroms und Stabilisierung der Lebensqualität) und sollen in derzeit laufenden klinischen Studien bestätigt werden.

Psychoonkologische Betreuung

Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung und Diagnosemitteilung erleiden Krebspatienten eine Vielzahl psychischer Traumen. Psychoonkologie ist die professionelle Begleitung und Behandlung psychischer Beschwerden während und nach einer Krebserkrankung. Die in der Praxis angewandten  psychoonkologischen Verfahren/Methoden (u.a. Gesprächstherapie, Entspannungsübungen, Kunsttherapie) sind hinsichtlich ihrer Wirksamkeit (Reduktion von individuellen Beschwerden im körperlichen seelischen und geistigen Bereich) noch nicht definitiv belegt. Erste Studien belegen allerdings, dass eine psychoonkologische Behandlung viel versprechende Effekte zeitigen kann.

Laut Definition soll unter einer psychoonkologischen Betreuung "die Wiederbefähigung der Betroffenen zur Teilnahme am beruflichen und sozialen Leben" verstanden werden. Sie sollte für alle Krebspatienten gewährleistet sein und insbesondere die patientenorientierte Begleitung während des gesamten Versorgungsablaufes umfassen. Die Aufnahme einer psychoonkologischen Behandlung ist angezeigt, wenn Patienten den Wunsch nach Begleitung äußern. Bzw. wenn körperliche/psychische Störungen im Rahmen einer Krebserkrankung aufgetreten sind. Der Beginn einer psychoonkologischen Behandlung sollte möglichst zeitnah zur Diagnosestellung erfolgen, bei Bedarf aber auch nach Abschluss aller Therapiemaßnahmen.